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Torrechiara: Kunst und Geschichte
Kunst und Geschichte Der Herr und der Hof
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Torrechiara, Blick vom Schloss, 15. Jh.
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Torrechiara ist eine befestigte Ansiedlung der Garnison Parmas auf den ersten sanften Hügeln der Appenninen. Das Schloß, an dessen Fuße sich eine kleine städtische Siedlung und ein Benediktinerkloster befinden, ist durch seine wuchtige Masse nur unschwer zu übersehen. Das mächtige Bauwerk wurde zwischen 1448 und 1460 von Pier Maria Rossi im Rahmen der weitreichenden Befriedungsphasen des eigenen Feudalstaats erschaffen. Mit dem zentralen Hof, den Ecktürmen und dem Bergfried ist die Festung übersichtlich aufgebaut und das Paradebeispiel der Bautradition der Region Parma im 15. Jahrhundert und wurde zum typologischen Modell einer Vielzahl anderer Burgsiedlungen gekürt, bei denen die Kriegsanforderungen mit der Notwendigkeit einer Residenz für den Herrenhof verknüpft sind.

Im 16. Jahrhundert verlor die Festung ihre Wehrfunktion und wurde Herrschaftssitz. Im 17. Jahrhundert ging das Besitztum in die Hände der römischen Familie Sforza Cesarini über, die die Festung zum Sitz für die Besitzverwaltung und zu Wohnungen degradierte. 1909 wurde das vollständig seiner Einrichtungsgegenstände beraubte Schloß italienisches Staatseigentum.

Torrechiara wird als eines der wichtigsten italienischen Beispiele der Militärarchitektur des 15. Jahrhunderts angesehen. Die Festung ist von drei Ringmauern umgeben, die ursprünglich noch Zinnen hatten und weist eine viereckige Form, einen zentralen Hof und vier Ecktürme auf. Die zwei sich zum Tal hin gegenüberliegenden Teile sind von eleganten Bogengängen gesäumt, die im 16. Jahrhundert errichtet wurden. Die adligen Gemächer sind von einem bedeutenden Freskenzyklus dekoriert, der größtenteils durch Darstellungen von Landschaften und Grotesken gekennzeichnet ist und von Cesare Baglione aus Bologna um die Mitte des 16. Jahrhunderts ausgeführt wurde. Im Südostturm befindet sich die berühmte Goldkammer, die durch ihren strahlenden, von den Wandverzierungen scheinenden Glanz zu ihrem Namen kam. Die Camera d'Oro wurde zwischen 1460 und 1463 von Benedetto Bembo gestaltet und ist eine symbolische Würdigung der Liebe zwischen Pier Maria Rossi und Bianca Pellegrini da Arluno.